Das Training auf die Olympiasaison läuft, wir haben bei Nicola Spirig und Reto Hug nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist.
Was war dein persönliches Highlight der Saison 2011?
Nicola Spirig: Meine persönlichen Highlights waren der Team Vize-Weltmeistertitel in Lausanne und der 8. Rang in London und somit die Erfüllung des ersten Qualifikations-Kriteriums für die OS 2012.
Reto Hug: Das WCS Rennen von Hamburg. Genau vor einem Jahr habe ich an gleicher Stelle bei einem schweren Fahrradsturz mein Schlüsselbein und drei Rippen gebrochen und musste die ganze restliche Saison aussetzen. Dieser 8. Rang war auch ein kleiner Sieg für mich und deshalb sehr emotional.
Welches war der schwerste Moment in der letzten Saison?
Nicola: Als ich realisieren musste, dass ich einen Ermüdungsbruch im Schienbein hatte. Ich wusste, dass diese Verletzung ca. 3 Monate für die Heilung brauchen würde ...
Reto: Als ich als letzter Athlet beim WCS Finale in Beijing aus dem Wasser gestiegen bin. Da beginnen die Zahnrädchen im Kopf doch etwas schneller zu rattern und drehen als nötig!
Was ist deine Bilanz 2011?
Nicola: Ein intensives Jahr mit vielen „ups und downs“. Von den Wettkampf-Resultaten her sicher nicht mein bestes Jahr, aber ich habe extrem viel gelernt und viele Erfahrungen gemacht, die mir auch in der Zukunft helfen werden. Es war spannend, mich in den Verletzungsmonaten einmal nur auf das Schwimmen zu konzentrieren. Und ich genoss es wie immer, in den verschiedenen Trainingslagern mit meiner internationalen Trainingsgruppe zu trainieren, neue Orte und neue Leute kennen zu lernen.
Reto: Ich konnte die ganze Saison nie meine Trainingsleistungen in den Wettkampf umsetzen. Besonders im Schwimmen gab es eine grosse Diskrepanz. Ende Saison habe ich versucht, die einzelnen Puzzleteile neu zu richten und ich bin zuversichtlich, den Anschluss an die Spitze in der neuen Saison wieder zu schaffen.
Wie bereitest du dich auf die Saison 2012 vor?
Nicola: Ich freue mich, den Grossteil der Vorbereitung gemeinsam mit Reto absolvieren zu können. Die Vorbereitung hat schon Ende Saison 2011 begonnen. Über Weihnachten genossen wir ein paar Tage Training im Schnee und am 5. Januar ging es dann schon wieder für einen Monat nach Gran Canaria. Im Februar reisen wir nach Australien, um dort zwei Monate zu trainieren und die ersten Wettkämpfe zu absolvieren. Wir haben das Glück, die ganze Zeit zusammen mit einem Teil unserer Trainingsgruppe und unserem Coach trainieren zu können, das ideale Umfeld also. Der Fokus liegt ganz klar auf den Olympischen Spielen, die Motivation ist riesig und entsprechend intensiv sind die Trainings!
Reto: Die Vorbereitungen auf diese Saison habe ich bereits im November begonnen. So früh wie noch nie zuvor. Dafür bin ich mit meiner Trainingsgruppe nach Gran Canaria geflogen, um noch etwas länger dem Winter zu entfliehen. Über die Festtage ging es zurück in die Schweiz und bereits anfangs Januar wieder für drei Wochen nach Gran Canaria. Mitte Februar werden wir dann für die Vorbereitungen und die ersten Wettkämpfe nach Australien reisen.
Was sind deine persönlichen Ziele im 2012? Gibt es noch etwas ausser den olympischen Spielen?
Nicola: Die Olympischen Spiele stehen ganz klar im Mittelpunkt. Ein weiterer Traum wäre, meinen Europameister-Titel zurückzuholen, aber ich muss schauen, wie die EM in die Planung passt.
Reto: Die Olympischen Spiele sind das dominierende Thema im 2012. Mit der anstehenden Qualifikation bis Ende Mai und den Spielen im August sind dies bereits zwei Höhepunkte. Da bleibt nicht mehr viel Platz für Anderes.
Wie siehst du die olympischen Spiele?
Nicola: Olympische Spiele sind immer ein unglaubliches Erlebnis und jedes Mal etwas Einzigartiges! Ich habe schon zweimal an Olympischen Spielen teilgenommen, die Faszination ist aber geblieben, und jedes Mal erlebte ich sie wieder ganz anders!
Es wäre eine grosse Ehre, zum dritten Mal an diesem nur alle vier Jahre statt findenden Grossanlass teilzunehmen, an dem sämtliche Top-Athleten von allen Sportarten und aus aller Welt zusammen kommen.
Reto: Als Athlet ist Olympia einfach traumhaft und nur schwer mit Worten zu beschreiben. Es ist einer der Momente, die man nicht erkaufen kann, sondern erleben muss.
Fühlst du dich wohl auf dem Olympia-Kurs? Wieso?
Nicola: Ja, ich fühle mich sehr wohl auf diesem Kurs. Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Rennen im Hyde Park, konnte 2009 dort siegen, wurde 2010 zweite und erreichte letztes Jahr trotz vorgängiger Verletzung den 8. Platz. Mir gefällt die Strecke mitten in London, die 2012 sicher mit tausenden von Zuschauern gesäumt sein wird!
Reto: Ich kenne den Wettkampfkurs von London nur aus dem Fernseher. Somit ist es für mich schwer, diesen genau einzuordnen. Aber auf dem Papier müsste mir der Kurs eigentlich liegen.
Wie siehst du deine Chancen in London?
Nicola: Das kommt sehr darauf an, wie die Vorbereitung bis im August läuft -und zunächst muss ich das zweite Qualifikationskriterium erfüllen J. An den letzten Olympischen Spielen 2008 in Peking habe ich mit dem 6. Rang ein Diplom gewonnen. Ich möchte mich nun steigern – Ziel ist der Gewinn einer Medaille. Die Konkurrenz wird sicher sehr gross sein, aber ich werde mein Bestes geben, um am 4. August in Topform am Start zu stehen und meine Träume erfüllen zu können.
Reto: Aus Erfahrung kann ich sagen, dass an einem Grossanlass wie den Olympischen Spielen alles passieren kann.
Wie schätzt du die Konkurrenz ein?
Nicola: Es wird spannend sein, anfangs Saison zu sehen, wer über den Winter Fortschritte gemacht hat und vorne mitläuft. Allgemein stelle ich fest, dass die Dichte viel höher ist als noch vor einigen Jahren. Einerseits hat es nicht nur zwei oder drei, sondern 10 Athletinnen, die ein Rennen gewinnen können. Anderseits gab es im vergangenen Jahr keine Athletin, die herausragte und unschlagbar gewesen wäre. Wenn sich also bis im August nichts ändert, so schätze ich die Konkurrenz sehr stark ein - aber schlagbar sind alle.
Reto: Die vergangene Saison hat gezeigt, dass es zwei, drei Überflieger hat. Dahinter ist die Tagesform entscheidend und es kommen gut 20 Athleten in Frage, die ein Top Resultat zeigen können.
Wo siehst du dich in 5 Jahren? Sportlich, beruflich, privat?
Nicola: Eine schwierige Frage, momentan plane ich nur bis zum 4. August 2012.... Ich habe jedoch noch sehr viele Wünsche, Pläne und Vorhaben. Langweilig wird mir sicher nicht werden.
Sportlich fände ich es spannend, einen Abstecher auf die Langdistanz zu machen oder mich einmal nur aufs Laufen zu konzentrieren, um zu sehen, wie schnell ich wirklich 5000m oder 10000m laufen kann.
Beruflich habe ich 2010 mein Jus-Studium abgeschlossen. Mit Praktika möchte ich herausfinden, welche Richtung mir am besten gefallen würde.
Privat geniesse ich die Situation momentan und bin selbst gespannt, wie es weiter geht.
Reto: Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass es meine letzten Olympischen Spiele als Athlet sein werden. Sportlich lasse ich mir aber noch alles offen. Es gibt noch Bereiche im Triathlon, die ich noch nicht ausprobiert habe. Beruflich möchte ich mein Wissen aus 20 Jahren Spitzensport mit dem Beruf des Physiotherapeuten kombinieren. Zum Beispiel in Form von Coaching und Beratungen.
Wer von euch ist der bessere Koch?
Nicola: Wir kochen sehr gerne zusammen, Teamwork J. Es muss aber meistens schnell gehen, da wir immer grossen Hunger haben... Es gibt bestimmte Gerichte, die Reto besser kochen kann (Risotto) und solche, die eher mein Gebiet sind (vor allem Desserts J).
Reto: Wir kochen oft gemeinsam und somit sind beide etwas schuld, wenn’s nicht ganz gelingt. Aber ich stehe vielleicht etwas mehr am Herd.
Wer ist sturer?
Nicola:Oh, da sind wir beide ziemlich stark... Kommt darauf an, bei welchem Thema.
Reto: Naja harte Köpfe haben wir beide, aber ich schiebe es mal auf Nicola.
Und zum Schluss: Wer parkt besser ein?
Nicola: Mmh, da muss ich leider dem Klischee Recht geben, dass Männer besser einparken als Frauen, zumindest bei Reto und mir...
Reto: ICH ohne Frage.